Ein paar Worte vorweg: es fällt mir nicht leicht, diesen Blogbeitrag zu schreiben. Gefühlt befinden sich bereits mehr als 50 Versionen dieses Artikels in meinem Papierkorb. Woran liegt das bloß? Ok, ich bin nicht richtig fit und packe seit Tagen gedanklich Kisten, weil wir in ein paar Wochen umziehen. Es liegt auch nicht daran, dass ich zu wenig Material hätte oder mich das Thema nicht richtig interessiert. Ganz im Gegenteil! Aber vielleicht liegt genau da der Hase im Pfeffer (sagt man das so?): das Thema ist mir SO wichtig, dass ich die RICHTIGEN Worte finden muss, nicht falsch verstanden werden, nicht werten oder verletzen möchte. Und das blockiert mich total. Worum es hier eigentlich geht? Um arbeitende Mütter und um SAHMs (stay-at-home-mums), um Elterngeld und Elternzeit, um Wiedereinstieg oder Neuanfang. Und wenn ich noch weiter spinne, dann geht es auch um Scheidung, Unterhaltsrecht und Absicherung im Alter. Puuuuh…

arbeiten oder nichtFange ich doch einfach mal langsam an (das muss ja nicht der einzige Beitrag zu diesem Thema bleiben!): wir Expat-Frauen arbeiten in der Regel nicht, egal ob mit oder ohne Kinder, egal ob Krippen-, Kindergarten- oder Schulkind. Klar gibt es Ausnahmen, aber die typische Expat-Frau kümmert sich während der Zeit im Ausland um die Kinder, den Haushalt und ihre Nägel, nimmt Englisch-Unterricht oder bildet sich anderweitig weiter, sie bucht den nächsten Urlaub, macht die Wochenendplanungen und kennt sich in der lokalen Shopping-/Café-/Restaurant-Szene bestens aus.

Sobald aber die Rückkehr nach Deutschland ansteht, dreht sich das berufliche Gedanken-Karussell immer schneller: Kann bzw. will ich zurück in meinen alten Job? Probiere ich was Neues aus? Oder bleibe ich weiterhin zuhause? Besonders diese dritte Option, Zuhause bleiben, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.

Als Mutter zuhause zu bleiben, auch nach dem Ende von Elterngeld und Elternzeit, ist das in Deutschland überhaupt noch gesellschaftlich akzeptiert? Ist das eine Luxus-Entscheidung („wir können uns das leisten“)? Oder ist es einfach nur naiv, nicht am Ball zu bleiben und darauf zu hoffen, dass meine Ehe für immer und ewig hält?

Vor genau drei Jahren habe ich mich noch schlecht gefühlt, weil ich nach der Geburt meiner Tochter nach einem Jahr wieder angefangen habe zu arbeiten. Weil ich gerne wollte, obwohl sie noch so klein war. Weil es ein echt gutes Gefühl ist, eigenes Geld zu haben. Weil ich viel ausgeglichener war, wenn ich in die Unternehmenswelt abtauchen konnte. Und 2014? Fühlen Mütter sich jetzt schlecht, weil sie nicht nach einem Jahr wieder arbeiten? Muss man sich jetzt dafür rechtfertigen, dass man sich lieber „nur“ um die Kinder kümmert und sich nicht dem Stress „meine Karriere, meine Kinder und mein Kuchen – selbstgebacken natürlich“ aussetzen möchte? Hat sich das gesellschaftliche Bild von der Rabenmutter so geändert?

Wenn ich mir meine Freundinnen in Deutschland angucke, stelle ich fest, dass fast alle nach einem Jahr Elternzeit wieder in ihren Job zurückkehren. Einige müssen, weil sie sonst nicht über die Runden kommen oder ihren Lebensstandard nicht halten können. Andere wollen unbedingt wieder arbeiten, weil der Job Spaß macht oder weil ihnen sonst zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Aber keine hat sich bislang fürs Zuhause bleiben entschieden.

Was meint Ihr denn dazu? Hat sich das gesellschaftliche Bild von der Rabenmutter in den letzten Jahren wirklich verändert? Wie sieht es in Eurem Freundeskreis aus? Wie sind Eure persönlichen Erfahrungen als arbeitende/nicht-arbeitende Mutter – müsst Ihr Euch für Eure Entscheidung rechtfertigen? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Übrigens: Ich bin wirklich gespannt, welche Entscheidung meine Expat-Freundinnen treffen werden, wenn sie zurück in Deutschland sind, und werde Euch hier auf dem Blog davon berichten.