Heute ist es endlich soweit: mein erstes Expat Interview ist bereit für die Veröffentlichung! Meine allererste Interviewpartnerin war Claudia, mit der ich mich bereits vor ein paar Monaten unterhalten habe, aber da ich mit so vielen Dingen beschäftigt war/bin und die Zeit für die Transkription, das Editieren und Abstimmen unterschätzt habe, ist Claudia in der Zwischenzeit schon längst nach Deutschland zurückgekehrt. Trotzdem sind die Themen immer noch aktuell und ich hoffe, dass Ihr mit diesem Interview (und allen zukünftigen Interviews) einen guten Einblick in das Expat-Wife-Life und das Thema “Rückkehr nach Deutschland” bekommt. Viel Spaß!

expat interview mit Claudia

Liebe Claudia, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, uns von Deiner Zeit hier in Chattanooga und vor allem von Deiner anstehenden Rückkehr nach Deutschland zu erzählen. Womit beschäftigst Du Dich denn gerade?
Meine Hauptaufgaben sind eine Sales-Liste zu schreiben, Verträge zu kündigen und die Kinder in der Schule und im Kindergarten anzumelden. Außerdem checke ich die Versicherungen wieder mal. Ich habe mir zum Glück bei der Ausreise eine Liste geschrieben und das kehre ich jetzt alles wieder um. Zum Beispiel habe ich schlechte Erfahrungen mit dem Kindergeld gemacht. Die hatten einen Vermerk, dass wir 27 Monate im Ausland sind und haben dann nach 27 Monaten die Zahlung eingestellt, ohne jede Mitteilung. Und bei der privaten Kranken-Zusatzversicherung hast Du genau 14 Tage Zeit, sie wieder aus der Anwartschaft zurückzunehmen, mit Einreichung des Flugtickets. Ansonsten kann der Vertrag nicht wieder aufgenommen werden.
Ich würde jedem Expat empfehlen, alles was man macht, zu dokumentieren, bevor man geht, um das dann wieder umzukehren. Je länger Du weg bist, desto mehr vergisst Du solche Sachen!

Seit wann wisst Ihr denn, dass Ihr wieder zurück nach Deutschland geht?
Unsere Heimflüge haben wir erst vor 4 Wochen gebucht. Es war immer noch alles offen. Mein Mann hätte eigentlich noch ein Jahr Zeit gehabt, sich hier einzusetzen, weil sein neuer Job erst nächstes Jahr losgeht. Wir wollten aber nicht noch ein ganzes Jahr bleiben, wegen der Schule und aus privaten Gründen. Und nur ein halbes Jahr bringt nichts.

Würdest Du gerne länger bleiben?
Ja und nein. Ich bin traurig, dass es zurück geht, bin auf manche neidisch, die noch hier bleiben dürfen. Ich freu mich aber auch auf daheim.

Was wirst Du vermissen?

  • Die Freundlichkeit und die positive Grundeinstellung der meisten Amerikaner
  • Die großen und günstigen Autos. Ich liebe meinen Routan und werde ihn vermissen.
  • Vieles ist hier unkomplizierter als in Deutschland, zum Beispiel die Kindergartenzeiten. Wir haben in den USA aber auch gelernt, dass gute Bildung kostet und dass ein guter Kindergarten richtig Geld kostet. In Deutschland ist das ein Problem. Da will kaum einer ein paar Euro mehr im Monat zahlen, damit die Kinder besser betreut sind.
  • Die regelmäßigen E-Mails von der Schule: sonntags bekomme ich per Mail eine Übersicht, was die Kinder die Woche machen. In der Mail stehen zum Beispiel die spelling words Und wenn was in der Schule nicht passen sollte, bekomme ich auch eine E-Mail. Die Schule erinnert mich auch daran, dass ein field trip ansteht oder dass am Freitag der Lunch selber mitgenommen werden muss. Ich bekomme alles per Mail mit, was in der Schule los ist. In Deutschland muss ich den Lehrern hinterher laufen, um zu erfahren, was ich für Leni kaufen muss, damit sie am ersten Schultag nicht ohne Material da steht.
  • Und außerdem:

Claudia_Iwillmissyou

Wie hast Du während Deiner Zeit im Ausland Kontakt zu Deiner Familie, Freunden und Nachbarn daheim gehalten?
Am Anfang habe ich immer einen Rundmailer geschrieben, habe aber nach einem Jahr damit aufgehört, weil die Mail bei 80 Adressen oft nicht durchgegangen ist. Im dritten Jahr habe ich generell sehr wenig Mails oder Nachfragen aus Deutschland bekommen. Jetzt wird es aber gerade wieder mehr, weil alle wissen, dass wir Heim gehen.
Facebook hat mir sehr geholfen, mit allen in Kontakt zu bleiben. Für mich ist Facebook ein Medium, wo ich mal was loswerden kann und dann freu ich mich, wenn jemand respondet. Meiner Schwiegermama muss ich die Fotos aber per E-Mail schicken. Die hat kein Facebook. Und viele unserer Freunde auch nicht. Die schreiben dann eher mal eine WhatsApp-Nachricht.
Mit guten Freunden telefoniere ich auch. Und ich versuche zu Geburtstagen immer anzurufen. Ich habe eine Flatrate nach Deutschland, die 10 Dollar kostet. Was mich ein wenig stört ist, dass Freunde nicht anrufen, weil sie denken, sie sind ein Vermögen los. Die Stunde kostet einen Euro und sie rufen trotzdem nicht an, weil sie es nicht glauben können.

Seid Ihr oft zu Besuch in Deutschland gewesen?
Ja, zweimal im Jahr. Im Sommer sind die Kinder und ich immer für mehrere Wochen geblieben. Wir haben unser eigenes Haus und haben den Alltag ganz normal mitgemacht. Das war schön. Ich habe immer alle Leute gesehen, die mir wichtig waren. Manche vielleicht nicht so oft, wie sie wollten. Du kannst ja nicht alle drei Mal treffen, denn Dir sind ja nicht alle drei Mal wichtig. Und auch wenn mir manche so wichtig gewesen wären, klappt es doch nicht. Denn das Leben von meinen Freunden geht ja auch weiter.

Claudia_ZitatEs ist wirklich ein Vorteil, dass wir das Haus hatten. Und das Wetter war auch immer gut. Unsere Gartentür war offen und es war ständig irgendwer da. Jetzt wird das anders sein und davor hab ich Angst. Wenn wir zurückkommen, stoppt keiner schnell mal vorbei, denn die wissen ja, wir sind jetzt lang da. Bislang waren wir special. Auch die Kinder waren special und waren immer überall willkommen. Wenn die Leni daheim war, durften die anderen Kinder zum Beispiel länger aufbleiben, auch wenn Schule war. Jetzt wird das nicht mehr so sein.

Hast Du Kontakt zu ehemaligen Expats, mit denen Du Dich austauschst?
Ja, da gibt es schon einige. Und von denen hört man auch, auf was man sich vorbereiten kann und welche Probleme es geben könnte. Probleme, auf die man gar nicht gekommen wäre. Zum Beispiel hatte die Tochter von meiner Freundin nach ihrer Rückkehr drei Monate Ferien, aber keine Freunde. Sie kämpft heute noch – nach einem Jahr – damit, dass sie ihre Freunde hier zurückgelassen hat.

Wen Du an die Rückkehr denkst, gibt es da irgendetwas, wovor Du Angst hast oder was Dir schlaflose Nächte bereitet?
Angst habe ich arbeitstechnisch. Ich weiß nicht, was ich machen will, wie viel ich arbeiten will, ob ich nochmal Gas geben will. Ich weiß nur, dass ich was machen will.

Mehr über Claudias berufliche Pläne und ihre Insider-Tipps für Chattanooga könnt Ihr hier im zweiten Teil des Interviews lesen! Und weitere Expat Interviews findet Ihr hier.

* Der Going Back Countdown bezieht sich auf den Zeitpunkt des Interviews.

Foto-Credit: Claudia – Bonnie McGhee Photography