„In Deutschland werde ich sicher weniger Zeit haben“ – Expat Interview mit Claudia (Teil 2)

31. Oktober 2014

Und hier ist auch schon der zweite Teil von Claudias Expat Interview (den ersten Teil könnt Ihr hier lesen):

expat interview mit claudia coolidge park chattanoogaJetzt kommen wir zu Deinen beruflichen Plänen. Erzähl uns doch mal, was Du vor dem Auslandsaufenthalt gemacht hast?
Ich bin gelernte Bürokauffrau, habe mich nebenbei zur Handelsfachwirtin weitergebildet und bin in einer Firma gelandet, die Büroraumplanungen macht. Da gehörten Auftragsbearbeitung und CAD-Planung für Büromöbel zu meinen Aufgaben. Das hat mir sehr Spaß gemacht. Dann habe ich Kinder bekommen. Mit Leni habe ich nach 10 Wochen wieder angefangen freiberuflich für meine alte Firma zu arbeiten, bis Elias Anfang 2010 zur Welt gekommen ist. Ich war bis 2013 in Elternzeit und habe im Januar 2013 gekündigt, weil wir immer noch hier waren.

Was hast Du während Deiner Zeit im Ausland gemacht? Hast Du gearbeitet oder Dich weitergebildet?
Hier hatte ich sehr viele andere Ideen, was ich so machen könnte. Ganz am Anfang habe ich es mit Webdesign versucht. Deutschland hat in dem Bereich meiner Meinung nach noch ganz viel Handlungsbedarf. In den USA kannst Du Dir von jedem Restaurant die Menu-Karte online anschauen, Du kannst Plätze reservieren; alles ist gleich verlinkt mit Bewertungen. Von jeder noch so kleinen Firma kannst Du Dir alle Infos aus dem Internet holen. In Deutschland sieht das ganz anders aus. Wir haben zum Beispiel in unserem Dorf eine Pizzeria, die nicht mal im Telefonbuch steht. Wenn wir was bestellen wollen, müssen wir erstmal die Speisekarte suchen, um an die Telefonnummer zu kommen.
Außerdem habe ich einen Englisch-Kurs besucht, drei Monate, mit TOEFL-Zertifikat. Das habe ich gemacht, um im Englischen weiterzukommen und um meiner Bewerbungsmappe etwas beizugeben. Die TOEFL-Punkte kann man ja in das deutsche System umrechnen.
Anfang 2014 habe ich mich nun zu einem Fernstudium als Personalkauffrau in Deutschland angemeldet, weil ich Lust habe, im Personalbereich zu arbeiten. Das Fernstudium ist online und ist gekoppelt mit einer IHK-Prüfung. Jetzt komme ich aber grad nicht wirklich dazu, obwohl ich eigentlich im Oktober zur Prüfung angemeldet bin. Ich weiß nicht, ob ich das hinbekomme. Ich hätte früher anfangen sollen und das bereue ich. In Deutschland werde ich sicher weniger Zeit haben als hier. Die Schule ist um 12 Uhr aus und dann kommt ein Kind mit Hunger und Hausaufgaben heim.

Wie kommst Du auf den Bereich „Personal“? Hast Du das vorher auch schon gemacht?
In der Zeit, in der ich freiberuflich gearbeitet habe, war ich auch mal im Personalbereich tätig. Ich habe Zeugnisse geschrieben und Lohnabrechnungen gemacht. In dem Bereich kann man auch gut in Teilzeit arbeiten. Das, was ich vorher gemacht habe, war alles Projektarbeit. Da kannst Du nicht um 12 Uhr den Stift hinwerfen. Wenn die Planung fertig werden muss oder die Möbel geliefert werden, wartet keiner 3 Tage, bis Dein Kind wieder gesund ist. Das ist einfach nicht vereinbar. Das ist Stress für mich. Ich möchte es mir offen halten, in ein paar Jahren wieder mehr zu arbeiten. Wenn die Kinder mich nicht mehr so sehr brauchen. Vielleicht auch erst in 10 Jahren! Dazu möchte ich mir jetzt aber die Basis erarbeiten. Und was machen, was mir Spaß macht natürlich!
Jetzt kann ich in meine Bewerbung wenigstens reinschreiben, dass ich mich während des Auslandsaufenthalts als Personalkauffrau weitergebildet und mein Englisch auf ein bestimmtes Level gebracht habe. Das sind zwei Punkte, die ich sehr schön finde. Ich muss nicht schreiben, dass ich drei Jahre shoppen und Kaffee trinken war…

Verrätst Du uns zum Schluss noch Deine Lieblingsplätze in Chattanooga?

  • Die Ecke Coolidge Park, River und Downtown mit dem Fahrrad erkunden. Da sieht man immer was Neues.
  • Im Restaurant Terra Mae essen gehen
  • Den Chattanooga Market am Sonntag besuchen

Und wie sehen Eure letzten Wochen in den USA aus?
Wir packen den Container, gehen für ein paar Tage ins Hotel, machen noch 2 Wochen Urlaub in Kalifornien. Dann geht’s zurück ins Hotel, wir erledigen die Abrechnungen, genießen noch ein bisschen das Leben hier und ziehen einen Schlussstrich.

Liebe Claudia, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Eure Rückkehr nach Deutschland!

Claudia ist jetzt seit 3 Monaten zurück in Deutschland, hat in Teilzeit wieder angefangen zu arbeiten und ist sehr froh darüber, dass sie sich nicht weiter mit den Leuten im Arbeitsamt herumschlagen muss!

Wenn Ihr Lust auf mehr Expat Interviews bekommen habt, gibt es hier noch viel Lesestoff für Euch.

Foto Credit: Coolidge Park, Chattanooga – Tina Busch

Ich bin Tina. Promovierte Linguistin, Englisch-Expertin, Professional Coach und Ex-Expat-Partner. Meinen riesengroßen Wissensdurst stille ich mit Podcasts, Büchern, Seminaren und Networking-Events. Hier teile ich mein Wissen, um Dir Inspiration und Impulse für Deine persönliche Weiterentwicklung zu geben.

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