Als Expat muss man regelmäßig liebgewonnene Freunde Richtung Heimat oder nächste Auslands-Station verabschieden (darüber habe ich gerade erst hier geschrieben). Zum Glück hat man aber auch immer wieder die Gelegenheit, neue Gesichter kennenzulernen. Bis Du neu in Chattanooga, Tennessee? Dann habe ich heute ein paar ganz persönliche Tipps für Dich! 

neu in ChattanoogaDarauf kannst Du Dich freuen:

  • Die Menschen in den Südstaaten sind sehr freundlich. Noch nie haben Dich wildfremde Menschen so oft mit einem Kosenamen angesprochen: How are you, Darling? Hey Honey! You are such a sweetheart! Have a great day, sweety!
  • Du kannst von April bis Oktober auf Deiner back porch wohnen – vorausgesetzt sie hat einen mosquito screen und ist mit einem Ventilator ausgestattet.
  • Essen gehen mit den Kids ist ein Kinderspiel. Es gibt immer ein extra Kids’ Menu, dazu gibt’s Stifte, Papier oder anderes Spielzeug, um die Wartezeit zu überbrücken. Und ausreichend Hochstühle. Ein weiterer Vorteil: Du bist ratzfatz fertig, denn die nächste Familie wartet am Eingang schon auf Deinen Tisch.
  • Supermärkte haben (fast) immer geöffnet. Die Einkäufe werden für Dich nicht nur direkt in Tüten gepackt, sondern auch in den Kofferraum geladen. Kostet nix!  Und wenn Du Deine eigenen Jute-Taschen mitbringst, guckt Dich keiner komisch an. Manchmal sparst Du so sogar ein paar Cent.
  • Willkommen im Shopping-Paradies! Hier kannst Du nicht nur Deine komplette Garderobe erneuern, sondern Du wirst auch kistenweise Deko-, Party- und Bastelmaterial nach Hause schleppen. Is’ so! Nachteil: Die nächste gute Outlet Mall ist circa 1,5 Stunden Autofahrt von hier weg.
  • Es gibt hier gutes Brot. Und hier und hier (Update: seit Mai 2016 leider geschlossen) und hier richtig leckeren Kaffee. Und vernünftiges Bier gibt’s natürlich auch, zum Beispiel hier.
  • Stell Dich darauf ein, dass Dein Mann zum BBQ- und/oder Smoke-Experten wird. Ach du grünes Ei? Jetzt brauchst Du Dir noch keine Gedanken darüber zu machen, wo und wie das silberne oder grüne Ungetüm Platz in Eurem deutschen Garten finden wird. Genieß einfach, dass Du mal nicht fürs Kochen zuständig bist.

Daran musst Du Dich gewöhnen:

  • Du wirst viel Zeit in Deinem Auto verbringen. Sehr viel Zeit. Die Wege sind weit, Fuß- und Radwege nur Downtown vorhanden, die Pick-Up-Schlange nach der Schule ist lang. Und 45 Minuten Fahrzeit für ein Playdate, one-way nimmst Du vielleicht nicht täglich, aber bestimmt wöchentlich in Kauf.
  • Kindergeburtstage sind strikt durchgetaktet: Geschenk abgeben, eine Stunde spielen, Kuchen und/oder Pizza essen, dem Geburtstagskind beim Geschenke auspacken zugucken, mit goody bag in der Hand die Heimfahrt antreten. Nach spätestens 2 Stunden ist der spukige Spaß vorbei.
  • Das Tornado-Wetter ist Angst einflößend. Tornados sind unberechenbar. Du wirst also schnell den Unterschied zwischen watch und warning kennen lernen. Und Du wirst lernen, mit der Gefahr zu leben.
  • Pakete aus Deutschland gehen verloren. Oder kommen zerstört und unvollständig an. Passiert nicht oft, aber immer mal wieder.
  • Sonntags kannst Du Bier erst nach 12 Uhr mittags im Supermarkt kaufen. Dann ist der Gottesdienst vorbei. Wein und andere Alkoholika gibt’s sowieso nur im liquor store und der hat sonntags zu.
  • Fällt eine Schneeflocke vom Himmel, fällt die Schule aus. Schneit es mehrere Flocken, bricht das Chaos aus.

Das vermisse ich auch noch nach mehr als 3 Jahren:

  • Nach dem Essen im Restaurant noch gemütlich quatschen und den Abend ausklingen lassen.
  • Das stundenlange Telefonat mit meinen Freundinnen in Deutschland. Der Zeitunterschied von 6 Stunden wird leider irgendwann ein echtes Hindernis. Wenn meine Kinder in Kiga/Schule sind, stehen bei meiner Freundin Spielplatz, Kinderturnen, Hausaufgaben auf dem Programm. Sind ihre Kinder im Bett, spule ich das grad erwähnte Programm ab. Schlafen meine Kinder, schläft auch meine Freundin. Schwierig, schwierig.
  • Einen Bäcker mit großer Kuchen- und Gebäckauswahl: Bienenstich, Streuselkuchen, Campingwecke, Butter-Breze, Zwetschgendatschi und Franzbrötchen – und ja, Du hast richtig gelesen: mein Magen fühlt sich in Braunschweig, München und Hamburg gleichermaßen zuhause.
  • Matjes
  • Spontane Unterstützung von den Großeltern, wenn’s mal wieder alles zu viel wird.
  • Tagesschau, Sportschau und Sport-Live-Übertragungen (dazu hatte ich auch hier schon was zu sagen)
  • Mann ist der Dickmann.

Und sonst so?

Da gibt’s noch so einiges, was ich Neuankömmlingen mit auf den Weg geben möchte. Zum Beispiel, wie und ob man Freundschaften mit Amerikanern schließen kann oder wie die Kinder mit dem Englisch sprechen zurecht kommen. Dazu später mehr. Jetzt möchte ich gerne erstmal Eure persönlichen Tipps oder Fragen hören!

Welche Tipps habt Ihr noch auf Lager? Was vermisst Du? Und falls Du ein zukünftiger bzw. frischer Expat (-Partner) bist, kannst Du hier auch gerne Deine Fragen stellen!