Neu in Chattanooga? Hier sind meine Tipps für Expats

22. Januar 2015

Als Expat muss man regelmäßig liebgewonnene Freunde Richtung Heimat oder nächste Auslands-Station verabschieden (darüber habe ich gerade erst hier geschrieben). Zum Glück hat man aber auch immer wieder die Gelegenheit, neue Gesichter kennenzulernen. Bis Du neu in Chattanooga, Tennessee? Dann habe ich heute ein paar ganz persönliche Tipps für Dich! 

neu in ChattanoogaDarauf kannst Du Dich freuen:

  • Die Menschen in den Südstaaten sind sehr freundlich. Noch nie haben Dich wildfremde Menschen so oft mit einem Kosenamen angesprochen: How are you, Darling? Hey Honey! You are such a sweetheart! Have a great day, sweety!
  • Du kannst von April bis Oktober auf Deiner back porch wohnen – vorausgesetzt sie hat einen mosquito screen und ist mit einem Ventilator ausgestattet.
  • Essen gehen mit den Kids ist ein Kinderspiel. Es gibt immer ein extra Kids‘ Menu, dazu gibt’s Stifte, Papier oder anderes Spielzeug, um die Wartezeit zu überbrücken. Und ausreichend Hochstühle. Ein weiterer Vorteil: Du bist ratzfatz fertig, denn die nächste Familie wartet am Eingang schon auf Deinen Tisch.
  • Supermärkte haben (fast) immer geöffnet. Die Einkäufe werden für Dich nicht nur direkt in Tüten gepackt, sondern auch in den Kofferraum geladen. Kostet nix!  Und wenn Du Deine eigenen Jute-Taschen mitbringst, guckt Dich keiner komisch an. Manchmal sparst Du so sogar ein paar Cent.
  • Willkommen im Shopping-Paradies! Hier kannst Du nicht nur Deine komplette Garderobe erneuern, sondern Du wirst auch kistenweise Deko-, Party- und Bastelmaterial nach Hause schleppen. Is‘ so! Nachteil: Die nächste gute Outlet Mall ist circa 1,5 Stunden Autofahrt von hier weg.
  • Es gibt hier gutes Brot. Und hier und hier (Update: seit Mai 2016 leider geschlossen) und hier richtig leckeren Kaffee. Und vernünftiges Bier gibt’s natürlich auch, zum Beispiel hier.
  • Stell Dich darauf ein, dass Dein Mann zum BBQ- und/oder Smoke-Experten wird. Ach du grünes Ei? Jetzt brauchst Du Dir noch keine Gedanken darüber zu machen, wo und wie das silberne oder grüne Ungetüm Platz in Eurem deutschen Garten finden wird. Genieß einfach, dass Du mal nicht fürs Kochen zuständig bist.

Daran musst Du Dich gewöhnen:

  • Du wirst viel Zeit in Deinem Auto verbringen. Sehr viel Zeit. Die Wege sind weit, Fuß- und Radwege nur Downtown vorhanden, die Pick-Up-Schlange nach der Schule ist lang. Und 45 Minuten Fahrzeit für ein Playdate, one-way nimmst Du vielleicht nicht täglich, aber bestimmt wöchentlich in Kauf.
  • Kindergeburtstage sind strikt durchgetaktet: Geschenk abgeben, eine Stunde spielen, Kuchen und/oder Pizza essen, dem Geburtstagskind beim Geschenke auspacken zugucken, mit goody bag in der Hand die Heimfahrt antreten. Nach spätestens 2 Stunden ist der spukige Spaß vorbei.
  • Das Tornado-Wetter ist Angst einflößend. Tornados sind unberechenbar. Du wirst also schnell den Unterschied zwischen watch und warning kennen lernen. Und Du wirst lernen, mit der Gefahr zu leben.
  • Pakete aus Deutschland gehen verloren. Oder kommen zerstört und unvollständig an. Passiert nicht oft, aber immer mal wieder.
  • Sonntags kannst Du Bier erst nach 12 Uhr mittags im Supermarkt kaufen. Dann ist der Gottesdienst vorbei. Wein und andere Alkoholika gibt’s sowieso nur im liquor store und der hat sonntags zu.
  • Fällt eine Schneeflocke vom Himmel, fällt die Schule aus. Schneit es mehrere Flocken, bricht das Chaos aus.

Das vermisse ich auch noch nach mehr als 3 Jahren:

  • Nach dem Essen im Restaurant noch gemütlich quatschen und den Abend ausklingen lassen.
  • Das stundenlange Telefonat mit meinen Freundinnen in Deutschland. Der Zeitunterschied von 6 Stunden wird leider irgendwann ein echtes Hindernis. Wenn meine Kinder in Kiga/Schule sind, stehen bei meiner Freundin Spielplatz, Kinderturnen, Hausaufgaben auf dem Programm. Sind ihre Kinder im Bett, spule ich das grad erwähnte Programm ab. Schlafen meine Kinder, schläft auch meine Freundin. Schwierig, schwierig.
  • Einen Bäcker mit großer Kuchen- und Gebäckauswahl: Bienenstich, Streuselkuchen, Campingwecke, Butter-Breze, Zwetschgendatschi und Franzbrötchen – und ja, Du hast richtig gelesen: mein Magen fühlt sich in Braunschweig, München und Hamburg gleichermaßen zuhause.
  • Matjes
  • Spontane Unterstützung von den Großeltern, wenn’s mal wieder alles zu viel wird.
  • Tagesschau, Sportschau und Sport-Live-Übertragungen (dazu hatte ich auch hier schon was zu sagen)
  • Mann ist der Dickmann.

Und sonst so?

Da gibt’s noch so einiges, was ich Neuankömmlingen mit auf den Weg geben möchte. Zum Beispiel, wie und ob man Freundschaften mit Amerikanern schließen kann oder wie die Kinder mit dem Englisch sprechen zurecht kommen. Dazu später mehr. Jetzt möchte ich gerne erstmal Eure persönlichen Tipps oder Fragen hören!

Welche Tipps habt Ihr noch auf Lager? Was vermisst Du? Und falls Du ein zukünftiger bzw. frischer Expat (-Partner) bist, kannst Du hier auch gerne Deine Fragen stellen!

Ich bin Tina. Promovierte Linguistin, Englisch-Expertin, Professional Coach und Ex-Expat-Partner. Meinen riesengroßen Wissensdurst stille ich mit Podcasts, Büchern, Seminaren und Networking-Events. Hier teile ich mein Wissen, um Dir Inspiration und Impulse für Deine persönliche Weiterentwicklung zu geben.

Improve your English.
Be Curious.
Rock the world!

8 Kommentare

  1. Liebe Tina,
    sehr schön, dein Bericht aus Chattanooga! Ich sehe viele Ähnlichkeiten zum Expat-Partner Leben in Mexiko. Eine Sache ist mir unklar auf deiner „Vermisstenliste“: warum kannst du den Abend im Restaurant nicht gemütlich ausklingen lassen? Wird der Tisch gebraucht oder schließen die Restaurants so früh?
    sonnige Grüße aus Mexiko,
    Sina

    Antworten
    • Liebe Sina, schön von Dir zu lesen! Zu Deiner Frage kann ich nur antworten: beides. Der Tisch wird gebraucht, weil der Kellner auf das Trinkgeld angewiesen ist und verständlicherweise versucht, so viele Gäste wie möglich zu bedienen. Und die Restaurants schließen dazu auch noch früh. So ab 21 Uhr werden am Nachbartisch schon mal die Stühle hochgestellt… Ach ja, und das Wort „gemütlich“ existiert im amerikanischen Wortschatz nicht wirklich…
      Was ist denn das Besondere an Deinem Expat-Leben in Mexiko? Fühlst Du Dich wohl? Ticken die Uhren langsamer?
      Liebe Grüße, Tina

      Antworten
  2. Mich würde mal interessieren, ob es einen (rechtlichen) Grund dafür gibt, dass die meisten „Vorgärten“ in den klassischen Wohnvierteln in den USA so einheitlich aussehen. Rasenfläche, kein Zaun, keine Blumen, nix Individuelles, ein Rasenplatz wie der andere. Ist das einfach der Wunsch, sich nicht vom nachbarn zu unterscheiden bzw. keine Arbeit mit Blumen zu haben, oder gibt es da einen anderen Grund?

    Antworten
    • Hallo Ulli,
      meistens gibt es neighborhood by-laws, die genau vorschreiben, welche Deko-Elemente platziert oder welche Veränderungenen am Grundstück vorgenommen werden dürfen. Das gilt insbesondere für den Vorgarten, der ja für alle sichtbar ist. Es wird viel Wert auf einen einheitlichen und aufgeräumten Look gelegt, weil so wohl die Attraktivität der neighborhood gesteigert wird und damit auch die Immobilienpreise steigen.
      Bei uns gibt es zum Beispiel immer wieder Abmahnungen bezüglich nicht-genehmigter Pflanzungen oder Beschneidungen, falsche Zäune oder zu auffällige Deko-Elemente.
      Lieben Gruß,
      Tina

      Antworten
      • Ahhh danke, jetzt wird mir einiges klar. Das ist im Vergleich zu Deutschland ja schon komplett anders. Große Freiheit einerseits, und gewünschte Uniformität andererseits – sehr spannend. Ich nehme mal an, auf Farmen oder einzeln stehenden Häuser in der Wildnis gelten dann keine bzw. freizügigere Gestaltungsregeln. Auf jeden Fall vielen Dank für die Info!!!

        Antworten
  3. Hallo Tina, da ist noch eine Sache, die mir trotz intensiver Lektüre diverser Einwandererforen immer noch nicht ganz klar ist. In den USA muss man ja ähnlich wie in Deutschland auch Kfz-Steuer und Versicherung zahlen. Die Höhe der Versicherung hängt – wenn ich das richtig verstanden habe – am Fahrzeugmodell. Spielt der Hubraum bei den Kosten (Steuer) auch eine Rolle? In den USA werden ja eher großvolumige Motoren genutzt. Danke für Deine Mühe!

    Antworten
  4. Hallo Tina,
    vielen Dank für das Teilen deiner Eindrücke und Erfahrungen. Auch für uns beginnt dieses Jahr das Abenteuer Chattanooga. Mich würde interessieren ob du uns Wohnviertel besonders empfehlen kannst? Unsere Kids sind 13 und 7 Jahre alt.
    Danke im Voraus

    Antworten
    • Hallo Eddy,
      das kommt darauf an, auf welche Schule Deine Kinder gehen werden. Wir haben in East Brainerd gewohnt und haben uns da sehr wohl gefühlt. Wichtig wäre nur, dass Ihr in einer Community unterkommt, in der es einen Pool gibt. Auf den kann man in Tennessee nicht wirlich verzichten ;-) Lieben Gruß und viel Spaß in den USA, Tina

      Antworten

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