Freunde sammelt man viele im Laufe seines Lebens: Sandkasten- und Schulfreunde, Nachbarn, Mitbewohner, Kommilitonen, Kollegen, Krabbelgruppen-Mitstreiter. Einige bleiben für immer, andere lässt man gehen, neue kommen dazu. Aber wie ist das eigentlich, wenn man für mehrere Jahre im Ausland lebt? Findet man dort schnell neue Freunde? Und was passiert mit den alten Freunden in der Heimat?

the art of making new friendsIch habe bislang die Erfahrung gemacht, dass Freundschaften im Ausland sehr schnell entstehen. Allerdings nicht unbedingt mit den Amerikanern (aber das ist wieder ein ganz neues Thema), sondern mit den anderen (deutschen) Expats, von denen es hier relativ viele gibt.

Alle sitzen ja im gleichen Boot: in der Regel geht der Mann zur Arbeit, die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt (ganz klassische Rollenverteilung – ach ja..), familiäre Verpflichtungen gibt es nicht, jeder will so viel wie möglich von Land und Leuten sehen. Also erkundet man gemeinsam die Umgebung, lädt zum Osterbrunch oder zum Thanksgiving-Turkey ein, macht sich gemeinsam auf die Suche nach dem besten Cafe Latte in der Stadt, verabredet sich zu regelmäßigen Playdates – man baut sich also eine Art Ersatzfamilie auf. Und einen komplett neuen Freundeskreis.

Dann gibt es da aber natürlich noch die alten Freunde in Deutschland, mit denen man in Kontakt bleiben möchte. In den ersten zwei Jahren habe ich mir viel Zeit genommen und wie verrückt geskyped, telefoniert, E-Mails geschrieben und auf unserem privaten Blog gepostet. Ich war immer gut informiert: Eingewöhnung im Kindergarten, Zoff mit dem Ehemann, Unzufriedenheit im Job, geplante und ungeplante Schwangerschaften – ich war hautnah dabei, trotz der großen Entfernung und der Zeitverschiebung.

Aber in den letzten Monaten wurden die Gespräche unregelmäßiger, der Kontakt ist nicht mehr so intensiv, die Gespräche dringen nicht mehr zum Wesentlichen vor. Warum nur? Ich bin mal in mich gegangen und bin der Meinung, dass es daran liegen könnte:

  • Skype-Frust: Ich habe oft meinen ganzen Tagesablauf um eine Skype-Verabredung herum geplant, habe dann vor dem Computer gesessen, aber keiner rief an (andersrum habe ich natürlich auch das eine oder andere Skype-Date vergessen). Jetzt skype ich nur noch selten.
  • 6 Stunden Zeitverschiebung: wenn meine Kinder abends endlich schlafen und ich Zeit, Ruhe und Lust für und auf ein stundenlanges Gespräch mit einer guten Freundin habe, fallen in Deutschland alle gerade in die nächste Tiefschlafphase. Reden kann ich dann nur mit meinem Mann. Der gehört aber eher zur stilleren Sorte…
  • (zu?) großer Freundeskreis: ich habe wirklich viele gute Freundinnen in Deutschland, mit denen ich regelmäßig quatschen möchte. Für diese Gespräche nehme ich mir Zeit, trage den Termin im Kalender ein, lasse das Chaos im Haus links liegen, die Kinder bleiben eine Stunde länger im Kindergarten oder ich schicke meinen Mann auf den Spielplatz, damit ich ungestört telefonieren kann. Diesen Freiraum kann ich mir aber nicht täglich schaffen. Manchmal denke ich mir, dass es doch für meine Freundinnen in Deutschland viel einfacher ist: sie müssen sich nur Zeit für eine einzige Person, die in einer anderen Zeitzone lebt, freischaufeln. Und nicht Zeit für 15 Leute, so wie ich.
  • Das Leben geht weiter: Zwei Jahre sind eine lange Zeit, gemeinsame Erinnerungen verblassen, die Erlebnisse miteinander reduzieren sich auf wenige Stunden im Heimaturlaub. Und die Lücke, die ich im Alltag meiner Freundinnen hinterlassen habe, haben andere gefüllt.

Mache ich mir jetzt Sorgen, dass ich bald nur noch Expat-Freunde habe? Eigentlich nicht. Meine Freundin Kirsten, die nach 4 Jahren USA in ein paar Wochen zurück nach Deutschland geht, habe ich vor ein paar Tagen für diesen Blog auch zu diesem Thema interviewt und sie sagt:

„Mit meinen besten Freundinnen hatte ich mal mehr, mal weniger Kontakt. Aber wenn wir uns dann wiedersehen, ist alles gut. Die Verbindungen bleiben.“

Die richtig guten Freunde, die bleiben für immer. Da ist es auch nicht so wichtig, wie oft man miteinander spricht und ob man sich schon seit 35 oder 2 Jahren kennt. Stimmt doch, oder? Ob das wirklich so ist, wird Kirsten bald rausfinden. Ich bin gespannt, was sie zu berichten hat.

Wie sind denn Eure Erfahrungen? Sind das typische Expat-Gedanken? Oder reicht auch schon der Umzug in eine andere Stadt? Ich freue mich über Eure Antworten in den Kommentaren!

Übrigens: Ich habe versucht, die Überschrift für diesen Post ins Deutsche zu übersetzen oder eine andere passende deutsche Formulierung zu finden. Erfolglos. Macht aber nichts, oder?