The art of making new friends and keeping old ones

16. Mai 2014

Freunde sammelt man viele im Laufe seines Lebens: Sandkasten- und Schulfreunde, Nachbarn, Mitbewohner, Kommilitonen, Kollegen, Krabbelgruppen-Mitstreiter. Einige bleiben für immer, andere lässt man gehen, neue kommen dazu. Aber wie ist das eigentlich, wenn man für mehrere Jahre im Ausland lebt? Findet man dort schnell neue Freunde? Und was passiert mit den alten Freunden in der Heimat?

the art of making new friendsIch habe bislang die Erfahrung gemacht, dass Freundschaften im Ausland sehr schnell entstehen. Allerdings nicht unbedingt mit den Amerikanern (aber das ist wieder ein ganz neues Thema), sondern mit den anderen (deutschen) Expats, von denen es hier relativ viele gibt.

Alle sitzen ja im gleichen Boot: in der Regel geht der Mann zur Arbeit, die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt (ganz klassische Rollenverteilung – ach ja..), familiäre Verpflichtungen gibt es nicht, jeder will so viel wie möglich von Land und Leuten sehen. Also erkundet man gemeinsam die Umgebung, lädt zum Osterbrunch oder zum Thanksgiving-Turkey ein, macht sich gemeinsam auf die Suche nach dem besten Cafe Latte in der Stadt, verabredet sich zu regelmäßigen Playdates – man baut sich also eine Art Ersatzfamilie auf. Und einen komplett neuen Freundeskreis.

Dann gibt es da aber natürlich noch die alten Freunde in Deutschland, mit denen man in Kontakt bleiben möchte. In den ersten zwei Jahren habe ich mir viel Zeit genommen und wie verrückt geskyped, telefoniert, E-Mails geschrieben und auf unserem privaten Blog gepostet. Ich war immer gut informiert: Eingewöhnung im Kindergarten, Zoff mit dem Ehemann, Unzufriedenheit im Job, geplante und ungeplante Schwangerschaften – ich war hautnah dabei, trotz der großen Entfernung und der Zeitverschiebung.

Aber in den letzten Monaten wurden die Gespräche unregelmäßiger, der Kontakt ist nicht mehr so intensiv, die Gespräche dringen nicht mehr zum Wesentlichen vor. Warum nur? Ich bin mal in mich gegangen und bin der Meinung, dass es daran liegen könnte:

  • Skype-Frust: Ich habe oft meinen ganzen Tagesablauf um eine Skype-Verabredung herum geplant, habe dann vor dem Computer gesessen, aber keiner rief an (andersrum habe ich natürlich auch das eine oder andere Skype-Date vergessen). Jetzt skype ich nur noch selten.
  • 6 Stunden Zeitverschiebung: wenn meine Kinder abends endlich schlafen und ich Zeit, Ruhe und Lust für und auf ein stundenlanges Gespräch mit einer guten Freundin habe, fallen in Deutschland alle gerade in die nächste Tiefschlafphase. Reden kann ich dann nur mit meinem Mann. Der gehört aber eher zur stilleren Sorte…
  • (zu?) großer Freundeskreis: ich habe wirklich viele gute Freundinnen in Deutschland, mit denen ich regelmäßig quatschen möchte. Für diese Gespräche nehme ich mir Zeit, trage den Termin im Kalender ein, lasse das Chaos im Haus links liegen, die Kinder bleiben eine Stunde länger im Kindergarten oder ich schicke meinen Mann auf den Spielplatz, damit ich ungestört telefonieren kann. Diesen Freiraum kann ich mir aber nicht täglich schaffen. Manchmal denke ich mir, dass es doch für meine Freundinnen in Deutschland viel einfacher ist: sie müssen sich nur Zeit für eine einzige Person, die in einer anderen Zeitzone lebt, freischaufeln. Und nicht Zeit für 15 Leute, so wie ich.
  • Das Leben geht weiter: Zwei Jahre sind eine lange Zeit, gemeinsame Erinnerungen verblassen, die Erlebnisse miteinander reduzieren sich auf wenige Stunden im Heimaturlaub. Und die Lücke, die ich im Alltag meiner Freundinnen hinterlassen habe, haben andere gefüllt.

Mache ich mir jetzt Sorgen, dass ich bald nur noch Expat-Freunde habe? Eigentlich nicht. Meine Freundin Kirsten, die nach 4 Jahren USA in ein paar Wochen zurück nach Deutschland geht, habe ich vor ein paar Tagen für diesen Blog auch zu diesem Thema interviewt und sie sagt:

„Mit meinen besten Freundinnen hatte ich mal mehr, mal weniger Kontakt. Aber wenn wir uns dann wiedersehen, ist alles gut. Die Verbindungen bleiben.“

Die richtig guten Freunde, die bleiben für immer. Da ist es auch nicht so wichtig, wie oft man miteinander spricht und ob man sich schon seit 35 oder 2 Jahren kennt. Stimmt doch, oder? Ob das wirklich so ist, wird Kirsten bald rausfinden. Ich bin gespannt, was sie zu berichten hat.

Wie sind denn Eure Erfahrungen? Sind das typische Expat-Gedanken? Oder reicht auch schon der Umzug in eine andere Stadt? Ich freue mich über Eure Antworten in den Kommentaren!

Übrigens: Ich habe versucht, die Überschrift für diesen Post ins Deutsche zu übersetzen oder eine andere passende deutsche Formulierung zu finden. Erfolglos. Macht aber nichts, oder?

Ich bin Tina. Promovierte Linguistin, Englisch-Expertin, Professional Coach und Ex-Expat-Partner. Meinen riesengroßen Wissensdurst stille ich mit Podcasts, Büchern, Seminaren und Networking-Events. Hier teile ich mein Wissen, um Dir Inspiration und Impulse für Deine persönliche Weiterentwicklung zu geben.

Improve your English.
Be Curious.
Rock the world!

5 Kommentare

  1. Hello Tina! Great job on your homework – this is such a great post. I have to share it with Thorsten. Thank you for taking Blogging Your Way and being part of our class. It was so nice to have you!
    xo
    Holly

    Antworten
  2. Die Kunst neue Freunde zu finden ohne die alten zu verlieren…..
    Eigentlich gar nicht schwer die Überschrift in richtige deutsche Wörter zu packen, aber eben nur eigentlich.
    Denn uneigentlich ist das eine riesen Challenge für Jemanden der den ganzen Tag von englisch sprachigen Menschen umgeben ist. Viel Spaß schonmal für die Rückgewöhnung wenn ihr wieder hier seid. Permanently diese Anglizismen und the worst dabei, du merkst es nicht einmal.
    Dafür merkens aber die Anderen, was dich natürlich sofort für die Klugscheißer-Ecke qualifiziert. Klar versteht man dich des öfteren mal nicht – sagt dir aber keiner – typisch Deutsch?
    Und dann gibts so Situationen, da wollen dievLeute nett sein und bauen auch mal ein paar Anglizismen ein. The result of this kommt jetzt. Es geht darum, dass was nicht richtig hinhaut. In diesem Zuge wird auch immer wieder der Name Bodelek erwähnt. Bodelek hier, Bodelek da. Dazu sei gesagt, dass mein Departement mit Spezialisten aus aller Welt besetzt ist, von denen ein großer Teil ständig in der Welt unterwegs ist. Ok, Bodelek kannte ich noch nicht, aber nach 5 Minuten war klar, der Bodelek bringts nicht und macht mehr schaden als alles andere. Phänomenal war auch, daß Bodelek an allen Standorten auftauchte und dort sein Unwesen trieb. Als verantwortungsbewusster Chef mußte ich jetzt schnell handeln. Frage 1, wie können wir Bodelek helfen? Frage 2, wer kommt noch in Frage um den Job zu machen? Frage 3, warum wird der Mann so konsequent eingesetzt, wenn er dermaßen versagt?
    Betroffenes Schweigen (hab ich schonmal alles richtig gemacht und zum Denken angeregt – super Chef). Die Antwort nach einer Minute dann doch irgendwie ernüchternd. „Bodelek ist kein Mann.“ Okay denk ich mir, dann ebend eine Frau, aber irgendwie bringt mich diese Info bezueglich meiner 3 Fragen nicht wirklich nach vorn und mein Gegenüber hat sich gerade für die Ecke gegenüber qualifiziert, also schon mal nicht die Klugscheisserecke. Also nochmal die Fragen stellen, nur daß es jetzt nicht mehr „der“ Bodelek ist, sondern „die“ Bodelek. Wieder grosses Schweigen, jetzt aber gepaart mit verstörten Blicken (die hab ich am Arsch, jetzt heisst es Hose runter lassen und Antworten geben – gute alte Schule, ich will Zahlen ,Daten ,Fakten). Also Chef, daß ist ao, also der äh die Bodelek ist auch keine Frau. Ja verdammte Sch…. was denn dann? Gestörte Blicke auf beiden Seiten. Mein Gegenüber nimmt allen Mut zusammen und erklärt mir daß der/die Bodelek (ab jetzt der Einfachheit halber nur noch „the“ Bodelek) einfach nur (aha, jetzt kommst, die Antwort auf die scheinbar nicht beantwortbare Frage – da bin jetzt aber mal gespannt),also the Bodelek ist einfach nur the Bodelek (mit leicht erhöhtem Puls geht die Phantasie mit mir durch und ich sehe the Bodelek plötzlich vor meinem geistigen Auge, the Bodelek, die kleine polnische Kampfdogge…….was zur Hölle macht eine Kampfdogge in meinem Department? ). Okay sag ich jetzt nochmal ganz von vorn. Und nach weiteren 5 Minuten bin ich eingeweiht und nun wird mir auch alles klar.Der ein oder andere ahnt es vielleicht schon, the Bodelek ist wirklich nur the Bodelek und hat sich als fester Begriff etabliert, nur daß durch genuschel the Bodelek aus dem Wort Bottleneck entstanden ist. Na Leute, alles klar? Welcome back to Germany!

    Antworten
    • Danke, Gordon, für diesen Einblick in Deinen beruflichen Alltag. Ich hab Tränen gelacht! Und werde Bodelek gleich in mein Vokabular aufnehmen!

      Antworten
  3. Hallo Tina,
    Ich denke es ist auch eine gute Möglichkeit zu erfahren, wer wirklich wahre Freund ist.
    Diejenige , die sich selber immer wieder melden um zu fragen wie es dir geht.
    Und die genau so kaum erwarten können wenn du wieder in Deutschland bist, die sind die beste Freunde.
    Und ob du 1 Mal in der Woche telefonierst oder 1 Mal im Monat, ist nicht wichtig. Wenn man sich wieder sieht, dann kannt ma stundenlang quatschen bis man sich ausgesprochen hat.
    So geht’s mir jedes Mal wenn ich Zuhause bin.

    Antworten
    • Da stimme ich Dir voll und ganz zu, Elena!

      Antworten

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