Expat Interview mit ehemaligen Expats – www.tinabusch.com

Wie geht es Dir? – Ehemalige Expats erzählen

09. Februar 2016

Die Rückkehr nach Deutschland. Ein Thema, mit dem ich mich von Anfang an hier auf dem Blog beschäftigt habe – in Form von Interviews mit anderen Expat-Frauen und persönlichen Blog-Posts (hier und hier zum Beispiel). Schon vor einiger Zeit habe ich mich bei meinen Interviewpartnerinnen und anderen Ex-Expats umgehört und sie gefragt, wie es ihnen denn grad so geht – in der neuen alten Heimat Deutschland oder auf der nächsten Station im Ausland. Von manchen bekomme ich innerhalb von ein paar Tagen eine Rückmeldung. Von anderen höre ich so gar nichts mehr… Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen??? Sind sie wieder so in ihrem deutschen Alltagsleben angekommen, dass die Zeit als Expat keine Rolle mehr spielt? Oder wollen sie vielleicht nicht an die Zeit im Ausland erinnert werden, weil die Erinnerungen zu schmerzhaft sind?

ehemalige Expats erzählen

Ehemalige Expats erzählen

Den Anfang macht heute Dana, die seit Sommer 2015 mit ihrem Mann in Bratislava (Tschechien) lebt. Das Interview, das ich mit Dana vor ihrer Abreise aus Chattanooga geführt habe, könnt Ihr hier lesen.

Liebe Dana, wie geht es Dir grad in Deinem neuen Leben?
Mir geht es gut, mein lieber Ehemann ist bei mir, wir haben eine nette, moderne Wohnung bezogen (mit echtem Kamin, den wir auch schon ausprobiert haben, das ist sehr kuschelig und romantisch in der Winterzeit); wir sind schon ein paar mal in die Heimat (Sachsen) gefahren und haben unsere Familien und Freunde besucht. Und einige sehr nette Menschen haben wir hier auch schon kennengelernt, was das “Ankommen & sich heimisch fühlen” wesentlich erleichtert.

ehemalige Expats erzählen

Photo: privat

Gab es Momente, in denen Du Dich zurück in die USA gewünscht hast? Welche Momente waren das?
Ja, die Momente gab und gibt es. Als wir in Bratislava angekommen sind, habe ich mich die ersten Wochen eher als “Gast”, “Besucher” und “Tourist” gefühlt. Wir haben die ersten zwei Monate in einer Übergangswohnung gelebt, nichts war persönlich. Das Ankommen hat erst richtig mit dem Einzug in unsere Wohnung mit unseren Möbeln und persönlichen Sachen begonnen.

Beim Anmelden unseres Internetanschlusses habe ich mir die Zeit in den USA herbeigewünscht. Wir haben geschlagene 2 Stunden im Laden mit Warten verbracht, bis sich dann endlich jemand mal in der Lage sah, uns zu helfen. Leider hatten wir keine andere Wahl. Zu einem anderen Anbieter konnten wir nicht gehen, da es nur eine Leitung von einem einzigen Anbieter zu unserer Wohnung (dem gesamten Haus) gibt. Wettbewerb ist also nicht möglich.

Der Service generell lässt sehr zu wünschen übrig. Man wartet sehr lange, bis man bedient wird; es gibt selten ein Lächeln und Fragen über Umtausch oder Rückgabe braucht man gar nicht erst zu stellen (das gilt teilweise auch für Österreich und Deutschland).

Insbesondere beim Einkaufen im Supermarkt nervt mich, dass die Waren an der Kasse durchgezogen und weitergeschoben werden. Es türmen sich Berge auf und ich als Kunde soll mich bitteschön beeilen zu bezahlen und gleichzeitig alles einpacken. Der nächste Kunde sitzt einem sprichwörtlich im Nacken. Da wünsch ich mir die entspannte Atmosphäre in den USA herbei, wo dir jemand die Waren in Tüten verpackt und noch ein nettes Wort gewechselt wird.

Das Bestellen mit Amazon ist hier so gut wie gar nicht möglich. Anbieter versenden nicht oder nur eingeschränkt in die Slowakei (Warum? Wahrscheinlich zu viele Zwischenhändler, zu unsicher – ich wollte es auch ausprobieren und warte jetzt schon 1 Monat auf die Lieferung! Mal sehen, ob überhaupt noch was ankommt…). Das war so einfach, schnell und unkompliziert in den USA.

Dein Alltag in Bratislava unterscheidet sich von Deinem Leben in den USA bestimmt in vielen Dingen. Was ist der größte Unterschied?
Die Sprache. Natürlich war mir bewusst, dass hier nicht alle fließend Deutsch oder Englisch sprechen, aber ich hatte doch gehofft, dass es wesentlich einfacher ist, sich mit diesen beiden Sprachen zu verständigen. Insbesondere überrascht mich, dass die junge Generation sehr schlecht Englisch spricht. Die, die es können, arbeiten und leben meist in anderen internationaleren Städten wie Prag, Budapest oder Wien…

Das Wetter. Nach einem sehr heissen Sommer – ohne Klimaanlage!!! – gab es viele Regentage und dann sind die Temperaturen schon recht steil in den Keller gefallen. Die schönen sonnigen warmen Tage bis in den November in Chattanooga vermisse ich dolle.

Das Autofahren. Die Straßen in Bratislava sind in schlechtem Zustand. Überall wird zwar gebaut, was wiederum auch Staus mit sich bringt. Parkplätze sind knapp, es wird einfach geparkt, wo es passt. Ob ein anderes Auto vorbeikommt, spielt keine Rolle. Auf den Autobahnen wird gerast; das entspannte Tempomat-geregelte Autofahren aus den USA vermisse ich.

Hast Du schon guten Kaffee, einen coolen Coffee Shop und ein Yoga-Studio gefunden? Was machst Du so den lieben langen Tag?
Mein Lieblingslokal in Bratislava ist das Urban Bistro (hat erst im letzten Sommer aufgemacht); in Wien mag ich das Kaffemik.

Es war gar nicht so einfach, einen passenden Yogakurs zu finden – entweder werden die Kurse nur in Slowakisch unterrichtet oder sie finden in den Abendstunden statt, wo ich lieber mit meinem Mann zusammen bin. Seit drei Wochen nehme ich an einem “Internationals” Yoga Kurs teil, der wird in english unterrichtet und die Leute kommen aus der ganzen Welt. Das macht Spaß…

Ich verabrede mich gern mal spontan mit einer Bekannten und habe ein Möbelprojekt begonnen (eine alte Truhe, mitgebracht aus den USA, wird abgeschliffen, restauriert, bekommt neue Füße und einen neuen Anstrich). Ansonsten kommen meine anderen Projekte langsam in Lauf: ein erster Kontakt zur Vienna Coffee School ist gemacht; ich plane an einem Kompaktkurs zum Thema Unternehmensgründung teilzunehmen; stehe im regelmäßigen Austausch mit anderen Frauen, die sich selbstständig gemacht haben.

Sprichst Du Slovakisch?
Hovorim iba trochu ale učim sa po slovensky.

Welchen Tipp kannst Du anderen Rückkehrern mit auf den Weg geben?
Offen sein für die neue Umgebung, Kultur und Gewohnheiten. Schnell Kontakte knüpfen und Anschluss finden durch die Teilnahme an internationalen Gruppen. Die Erinnerungen an die vorangegangene Zeit durch Mitbringsel, Bilder oder andere Dinge weiter leben lassen und bewahren.

Liebe Dana, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten! Ich freue mich schon sehr auf ein baldiges Wiedersehen.

Ich bin Tina. Promovierte Linguistin, Englisch-Expertin, Professional Coach und Ex-Expat-Partner. Meinen riesengroßen Wissensdurst stille ich mit Podcasts, Büchern, Seminaren und Networking-Events. Hier teile ich mein Wissen, um Dir Inspiration und Impulse für Deine persönliche Weiterentwicklung zu geben.

Improve your English.
Be Curious.
Rock the world!

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Tina, ich will nicht picky sein, aber hier eine kleine Korrektur:
    Bratislava ist die Hauptstadt der Slowakei. Tschechien (Hauptstadt Prag) ist das Nachbarland und war bis 1993 mit der Slowakei ein gemeinsamer Binnenstaat. Die Slowaken nehmen das sehr genau ;o)

    Heute schneit es in Bratislava und um das Beste aus so einem Tag zu machen, habe ich Chocolate Chip Cookies nach amerikanischem Rezept gebacken.
    Hm, lecker, wie das duftet. Jetzt schwelge ich gerade in Erinnerung an die USA Zeit. Da gabs ja auch gern mal einen Cookie im Coffeeshop oder von Whole Foods…

    Antworten
    • Upsi, danke für den Hinweis, liebe Dana. Bislang hat’s keiner gemerkt… Cookies hört sich gut an und bei uns kann man heute fast Iced Coffee trinken!
      Big hugs,
      Tina

      Antworten

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