Die Kinder auf die Rückkehr nach Deutschland vorbereiten. Die Rückkehr nach Deutschland an sich. Kein Thema mehr, mit dem wir uns irgendwann in ferner Zukunft beschäftigen werden. Nein. Mittlerweile brandaktuell, mit konkreten Terminen im Kalender. Die Daten für den Container und den Rückflug nach Deutschland stehen so gut wie fest. Wir planen nämlich zwischen dem Auszug aus unserem Haus und der tatsächlichen Ausreise noch eine Reise und müssen dafür jetzt die Flüge und Hotels buchen. Also studieren wir abends intensiv den Kalender, verplanen unseren Sommer und legen sie fest, die vielen letzten Male: der letzte Schultag, die letzte Nacht in unserem Haus, das letzte Mal in den Pool springen, der letzte Latte im Farmer’s Daughter. Ein komisches Gefühl (das ist untertrieben)…. Und natürlich bereiten wir schon immer länger unsere beiden Kids auf die Rückkehr vor – ganz behutsam und Schritt für Schritt. Wie das bislang abgelaufen ist, erzähle ich Euch heute.

Kinder auf die Rückkehr nach Deutschland vorbereiten

Meine Tochter wird in ein paar Tagen 6 Jahre alt, mein Sohn ist gerade 3 geworden. Unsere Kinder sind also nicht mehr so klein und bekommen schon sehr viel mit, insbesondere die Große. Als wir vor fast 5 Jahren in die USA gezogen sind, war sie gerade mal 18 Monate alt. In diesem Alter war es für sie nur wichtig, dass Mama und Papa da sind und sie in ihrem Bett, umgeben von ihren Kuscheltieren, einschlafen kann. Dass wir von einem Tag auf den anderen nicht mehr in Deutschland, sondern in einer komplett neuen Umgebung, in einem anderen Land, mit einer neuen Sprache lebten, hat damals keine große Rolle gespielt.

Mittlerweile sieht das anders aus: wir als Eltern sind immer noch wichtig, genauso auch Bett, Lieblings-Spielzeug und die gewohnte Umgebung. Hinzugekommen sind viele wichtige Menschen, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Lehrer, die Schule und der Kindergarten, die Routine im Alltag, zwei Sprachen, zwei Kulturen – alles nehmen unsere Kinder jetzt sehr bewusst wahr.

Auf die Frage “Wo ist Dein Zuhause?” antworten sie “Chattanooga”; auf die Frage “Woher kommst Du?” antworten sie “aus Deutschland”. Genauso antworten wir auch, schon immer, und haben das unseren Kindern auch von Anfang an so vermittelt: Chattanooga ist unser Zuhause; unsere Heimat ist Deutschland. Und ganz wichtig: Es war immer klar, dass wir nicht für immer in den USA bleiben, sondern zurück nach Deutschland ziehen werden. Wenn Papa mit seiner Arbeit fertig ist.

Zum Glück ist den Kids das Konzept des Zurückziehens nach Deutschland nicht unbekannt. Umzüge und Abschiede gehören zum Expat-Alltag dazu. Über die Jahre haben sich die Kinder immer wieder von sehr guten, engen Freunden verabschieden müssen, haben ihnen einen letzten hug gegeben, dem Auto auf dem Weg zum Flughafen hinterher gewunken und jedes Mal gefragt: “Und wann fahren wir endlich nach Deutschland?”.

Jetzt wird es bald soweit sein. Meine Tochter trägt schon fleißig alle wichtigen Termine in den Wandkalender ein und weiß ganz genau: ab dem 1. August sind wir wieder in Deutschland. Weiß sie, was das bedeutet? Nicht wirklich. Über die Details haben wir noch nicht gesprochen. Bislang reden wir nur über die positiven Seiten des Umzugs: dass wir Oma und Opa besuchen und sie dort auch mal alleine Urlaub machen kann, dass es im Supermarkt Überraschungseier, Kinderschokolade und das pinke Lieblingskaugummi zu kaufen gibt, dass wir auf den Eiffelturm in Paris klettern können (darüber haben sie nämlich grad in der Schule gesprochen) und dass wir unsere Freunde endlich wiedersehen werden.

Die harten Fragen werden aber kommen. Ich merke schon, wie es in meiner Tochter arbeitet. Zum Beispiel sind in der Schule gerade Besuchstage für die zukünftigen Schulkinder, sogenannte shadow days. Meine Tochter kann sich noch sehr genau an ihren shadow day erinnern und sie weiß, dass ihr damaliger Pate jetzt in der First Grade ist. “Mama, dann bin ich ja auch bald in der First Grade! Da werde ich meine Lehrerin Mrs. B. aber sehr vermissen.” Ich nicke nur. Ich weiß, dass sie noch so viel mehr vermissen wird.

Sehr bald wird es click machen und sie wird selber herausfinden, dass die First Grade nicht an ihrer Schule, nicht in Chattanooga und auch nicht in den USA sein wird. Wenn es soweit ist, werde ich ihr ehrlich und angemessen antworten. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig erzählen. Bis dahin genieße ich noch den Zustand des unschuldigen Nicht-Wissens, der nur den Kindern vorbehalten ist. Leider.

Ob unser Weg der richtige ist, weiß ich nicht. Momentan passt es so für uns. Vielleicht werden wir unsere Strategie im Laufe der nächsten Wochen und Monate nochmal ändern; vielleicht blicken wir in einem Jahr zurück und wissen, dass man es hätte besser machen können. Ihr werdet es erfahren – das verspreche ich Euch.

Gestern hat mich meine Tochter gefragt, ob wir denn ab August für immer in Deutschland bleiben. Meine Antwort? Dass ich das nicht weiß. Dass wir erstmal gucken müssen, wie es uns in Deutschland gefällt. Für immer gibt’s im Expat-Leben eigentlich nicht. Einmal Expat, immer Expat – oder doch nicht?

Und jetzt möchte ich gerne von Euch wissen: wie habt Ihr Eure Kinder auf den Umzug ins Ausland und/oder die Rückkehr nach Deutschland vorbereitet? Ich freue mich über Eure Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks und lessons learned.